Jan Delay
Portrai
Gut zehn Jahre sind mittlerweile vergangen, seit es an der Station St. Pauli Landungsbrücken ordentlich Bambule gab. Zehn Jahre, in denen der Zug meist in gesundem Transrapidtempo Richtung Zukunft durch die Nacht rollte und dabei mehr Leute mitnahm, als man jemals zu träumen gewagt hatte.
Im Sommer 2009 ist nun der nächste Halt erreicht. Das erste Songbuch!!!!


Entstand „Mercedes Dance“ größtenteils noch nach den Spielregeln von HipHop, so war vor allem die Rhythmusgruppe dieser hanseatischen Antwort auf Ocean’s 11 diesmal bereits an der allerersten Demorunde entscheidend beteiligt – Jost „J-Fresh“ Nickel an den Sticks, Jonas „Love Jones“ Landerschier an den Tasten, Loomis „Loomie Loo“ Green an den sechs und Ali „Big Al“ Busse an vier Saiten. Dazu wurde in bester HipHop- Tradition ins eigene („Large“), gerne aber auch in alle anderen Hörner gestoßen, die die Johnny Blazers so auftreiben konnten. So blasen Lieven Las Vegas, Käptn Kacza und Johnny Johnson einmal mehr zur Jagd auf hüftsteife Babylonier, für die eine Trompete von Stefan Mross gespielt wird und ein Saxophon maximal von Joshua Redman.
Einen sauberen Air Max machten schließlich die Delaydies Esther Cowens, Ngoné Thiam und Myra Maud draus, denn Background-Vocals sind bekanntlich immer noch das Ahhh und Uuuh eines jeden anständigen Welthits.

Die Themenpalette ist dabei nach wie vor die ganz große, reicht von den Kleinigkeiten des Alltags (die Liebe, die Moral, das Leben) über all jene Mechanismen, die das Universum in ihrem Innersten zusammenhalten (die nächste Clubrunde Cuba Libre, Fremdscham über Geschmacksverirrte mit Ambitionen in der nterhaltungsbranche, gute Musik).
Egal ob der Delay Lama auf „Kommando Bauchladen“ die globale Schreckensherrschaft von Starkie und Pimbucks geißelt oder mit „Hoffnung“ ein Liebeslied von kristalliner Schönheit in die Booth haucht. Egal ob er auf „Oh Jonny“ das gewissenlose Arschloch um die Ecke einem kleinen Realitätscheck unterzieht, oder mit „Abschussball“ den ultimativen Soundtrack zum ganz normalen Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit morgens um halb sieben auf der Tanzfläche liefert. Egal ob er am Meckern, am Huldigen, am Sezieren, am sich Verzehren oder einfach nur am Raven ist:
Er tut es mit seiner ureigenen Sensibilität für großes Kino, dem weltfettesten Grinsen im Gesicht, und dieser Fähigkeit, die augenscheinlich schroffsten Widersprüche in vollendeter Harmonie zu vereinen wie Cap und Capper auf Afterhour. Schwarzer Humor und schwarze Mucke eben, schwarzer Block und schwarze Zahlen.
Nächste Station: Bahnhof Soul. Und da gibt’s dann... den derbsten Rave der Welt. Für immer und uns alle.